Die schönsten Seiten der Tiroler Landeshauptstadt mit Urlaubsprofi Julia kennenlernen

Wenn man an Städtereisen denkt, hat man Innsbruck vermutlich nicht gleich auf dem Schirm. Wieso auch – gibt es doch die internationalen Top-Metropolen wie Berlin, Amsterdam oder Paris zu entdecken. Möchte man aber für kleines Geld einfach mal dem Alltagstrott entfliehen und nicht unbedingt viel Zeit mit An- und Abreise „vergeuden“, lohnt es sich definitiv, Tirol und seiner Hauptstadt eine Chance zu geben. Hier meine Pro- und Contra-Liste für einen City Break in Innsbruck:

Wie anreisen?

Am schnellsten wäre der Flug von Wien nach Innsbruck. Schnell und spektakulär, zählt der Landeanflug auf den Innsbrucker Flughafen doch zu den „Bewährungsproben“ für junge PilotInnen. Ohne Zweifel ein Erlebnis, jedoch ein ziemlich kostspieliges.

Natürlich könnte ich mit dem Auto fahren, auf den ersten Blick die angenehmste Methode. Auf den zweiten Blick jedoch nicht unbedingt, denn für Zugfahrer beginnt die Erholung schon beim Einsteigen. Ich lasse mein Auto also eingeparkt vor dem Haus.

MEIN TIPP: Wer früh genug bucht, erhält mit ein wenig Glück die Business Class-Fahrt im Railjet für kleines Geld. Reservieren sollte man aber auf alle Fälle, denn sonst riskiert man eine 4-stündige Stehpartie.

 

Ich habe Glück und genieße im ÖBB-Railjet meinen Liege(leder)sessel mit herrlicher Beinfreiheit, kostenfreiem WLAN und privatem Leselämpchen (endlich Zeit ein Buch zu lesen). Auch ein gratis Willkommensgetränk wird mir serviert. Mit 16 Sitzplätzen im Business-Abteil ist hier absolute Ruhe und Entspannung garantiert. Für mich, die jeden Tag im Berufs(bahn)verkehr mit hunderten anderen um den letzten Platz im Zug kämpft, ist das definitiv eine Abwechslung. Und auch gleich das erste „Pro“ auf meiner Liste!

Wo wohnen in Innsbruck?

Vor allem für Touristengruppen steht nach Wien und Salzburg meist auch Innsbruck auf dem Besichtigungsplan. Daher sind die Hotelpreise im Altstadtkern entsprechend hoch. Vor allem zum Wochenende hin, muss man in den wunderschön gestalteten und perfekt gelegenen Traditionshäusern schon mal etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür genießt man aber auch den Luxus, aus der Lobby zu gehen und direkt vor dem „goldenen Dachl“ zu landen.

 

MEIN TIPP: Nicht einmal 10 Gehminuten bzw. nur wenige Busstationen vom Zentrum / Hauptbahnhof entfernt sind einige CityHotels zu finden, in denen das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als stimmt. Wenn man also gut bei Fuß ist oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, hat man hier definitiv eine Alternative. Und als eingefleischter Sightseer benötigt man nach einem ereignisreichen Tag ohnehin nur ein bequemes Bett und eine saubere Dusche.

Für das zentrale Mittelklassehotel rechnen Sie in etwa mit EUR 80-90 pro Person und Nacht im Doppelzimmer inkl Frühstück. Etwas außerhalb kommen Sie sogar für ca. EUR 50-60 pro Person unter.

Was tun in Innsbruck?

Ich wollte ursprünglich nicht nur dem Alltag, sondern auch dem schlechten Wetter in Wien entfliehen. Nun ja, der Wettergott hat mein Memo nicht gelesen, aber es gilt bekanntlich das Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“. Und aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern: Innsbruck ist auch bei Regen eine Reise wert.

Mein Investment-Tipp: Die Innsbruck Card beinhaltet nicht nur alle erdenklichen Museen, sondern auch Gebirgsbahnen und Öffentliche Verkehrsmittel. Für 48 Stunden bezahlen Sie EUR 48,- pro Person.

Schon alleine der Sightseeing-Bus (Linie TS „The Sightseer“), der ohne lästige Zwischenhalte in Dauerschleife alle erwähnenswerten Punkte der Stadt abdeckt, kostet EUR 15,- pro Tag. Mit zwei bis drei Eintritten in Museen oder der Fahrt auf den Innsbrucker Hausberg „Hafelekar“ (EUR 33,- pro Person) hat sich diese Anschaffung bereits rentiert.

Meine persönlichen Must Sees hier kurz zusammengefasst:

  • Berg Isel: Ich bin zwar kein Skisprungfan der ersten Stunde, aber der Ausblick von der Panoramaterrasse oberhalb der 50m hohen Sprungschanze ist absolut sehenswert. Bei Sonnenschein erkennt man von hier oben sogar die Schindeln des „Goldenen Dachls“ blitzen. Bei Sonnenuntergang kommt außerdem ein Hauch von Romantik auf. Die beliebteste Wortmeldung (in allen erdenklichen Sprachen): „Da runter zu springen, würde ich mich niemals trauen!“. Auch ich nehme lieber den Lift nach unten. Die zweite Attraktion des Berg Isel ist das Tirol Panorama – ein beeindruckendes Rundgemälde, das die Schlacht von 1809 zwischen dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer und den Bayern / Franzosen detailgetreu darstellt. Auch wenn die Freiheitsbewegung letzten Endes nicht von Erfolg gekrönt war, in Tirol genießt Andreas Hofer bis heute – und wohl noch ein Weilchen länger – Superheldenstatus.
  • Per pedes Stadtspaziergang: Keine Lust den Reiseführer zu studieren? Kein Problem – in 90 Minuten erfährt man auf dieser Tour durch die Altstadt allerhand Details rund um Stadtbild und Geschichte Innsbrucks. Ein kurzer, überblicksmäßiger Rundgang durch die „Kaiserappartments“ in der Hofburg schließt die Führung ab. Was macht ein Tiroler in Lederhosen auf dem Deckengemälde im kaiserlichen Riesensaal? Wieso gründete Maria Theresia das noch heute existierende „Damenstift“? Die Gemälde, Deckenfresken und das Leben von Maria Theresia und ihren 16 Kindern werden dank der Erzählungen irgendwie „greifbar“ und auch für mich als „Museums-Muffel“ tatsächlich interessant. Nur so nebenbei: Bei Schlechtwetter stehen die Chancen sehr gut, die einzigen Teilnehmer zu sein und in den Genuss einer Privatführung mit einer ausgebildeten Fremdenführerin zu kommen.
  • Hofkirche: Klar muss man nicht jede Kirche der Stadt besichtigen, in diese sollte man aber einen Blick werfen, denn untrennbar mit der Geschichte Maximilians I. ist auch dieser Ort verbunden. Die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten 28 „schwarzen Mander“ bewachen dort das Grabdenkmahl des Kaisers. Und es sind weit mehr als nur übererlebensgroße Bronzefiguren. Sie sind die Protagonisten einer traurig-schönen Geschichte.

 

  • Swarovski Kristallwelten: Mit dem Shuttlebus fährt man (direkt vom Hauptbahnhof) rund 30 Minuten nach Wattens, wo einem schon von Weitem der einprägsame wasserspeiende Riese ins Auge springt. In mehreren unterirdisch gebauten Sälen sieht man Kristalle in allen Größen Farben und Formen. Teilweise regen die Installationen wirklich zum Staunen an, teilweise wirken sie auch ein wenig gruselig, wenn man als Teenager zu viele Horrorfilme gesehen hat. Der Shop am Ende des Rundgangs ist ebenfalls riesig. Muss er auch sein, denn während ich auf den Shuttle Bus wartend etwas im Abseits sitze, beobachte ich eine Horde von Menschen, die wirklich alles kauft, was nicht angeschraubt und/oder unverkäuflich ist. Fazit: Wenn man die Innsbruck Card, genügend Zeit und etwas Begeisterung für die wohl bekanntesten Glitzersteinchen Österreichs übrig hat, spricht absolut nichts gegen einen Besuch der Kristallwelten. Die EUR 38,- (inkl. Shuttlebus) wäre mir der Spaß jedoch nicht unbedingt wert gewesen.
  • Hungerburgbahn / Nordkettenbahn: Gleich nach Ankunft im Hotel entscheide ich mich für die Abendfahrt mit der Nordkettenbahn (immer freitags von 18:00 bis 23:30 Uhr), da bereits für den nächsten Morgen Dauerregen angesagt ist. Mit der Hungerburgbahn – diese Standseilbahn wurde 2007 eröffnet und gilt seither als Wahrzeichen der Stadt – fahre ich wenige Minuten bis zur Talstation der Nordkettenbahn. Diese bringt mich dann auf 1900 m Höhe zur Mittelstation Seegrube, wo leider ziemlich zeitgleich mit mir auch der dichte Nebel ankommt. Wirklich schade, denn der Ausblick ist beeindruckend. Anders als die Biker, die sich trotz Wind und Wetters den Berg hinunterstürzen, genehmige ich mir ein heißes Tässchen Tee im Restaurant und beschließe noch einmal herzukommen – dann aber bei Schönwetter und mit meiner Wanderausrüstung im Gepäck. Fazit: Egal ob Wanderer oder nicht, dieser Ausflug lohnt sich definitiv. Und tagsüber fährt die Seilbahn auch bis zur Bergstation Hafelekar auf über 2.200m Höhe.
  • Audiversum: Perfekt, wenn Sie mit Kindern reisen, oder – so wie ich – noch das Kind in sich spüren. Hier besuche ich die Dauerausstellung rund ums menschliche Gehör. Ich befreie – nur durch akustische Signale geleitet – gefangene, virtuelle Vöglein, schneide beim Hörtest glücklicherweise sehr gut ab und beobachte Kinder, die im „Schreiraum“ so manchem Presslufthammer die Schau stehlen. Außerdem lerne ich in der Sonderausstellung zum Thema Erde auch einiges über das Kartenlesen und den Klimawandel. Ohne es zu merken, verbringe ich hier knapp zwei Stunden und hatte keine Minute davon Langeweile. Vielleicht nicht das bekannteste Museum der Stadt, aber bestimmt eines der unterhaltsamsten. Und sollten Sie beim Hörtest nicht allzu gut wegkommen, können Sie sich auch gleich vor Ort einen Termin zum Feedback-Gespräch ausmachen.

 

  • Goldenes Dachl und Stadtturm: Diese beiden Touristenmagnete kann man dank der Innsbruck Card kostenlos miteinander kombinieren. Da der wohl bekannteste Erker Österreichs ein reiner Prunkbau Maximilians I. war, gibt das dazugehörige Museum meiner Meinung nach nicht allzu viel her. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich höre mir lieber die Fanfaren der Turmbläser an, die jeden Sonntag um kurz vor 12 Uhr am Balkon erscheinen.  Man hört sie übrigens auch sehr gut am Weg über die Wendeltreppe auf den Stadtturm hinauf, den ich jedem empfehlen kann, der schwindelfrei ist und die Stadt aus der Vogelperspektive betrachten möchte.
  • Schloss Ambras: Durch den wunderschön angelegten Schlosspark kommt man nach wenigen Minuten zum ältesten Museum der Welt. Gleich am Eingang begrüßen mich zwei Pfauen, die dort die kurzzeitig vorhandenen Sonnenstrahlen genießen. Im Inneren werden Rüstungen, Glas-Sammlungen sowie einiges Kurioses und Wundersames gezeigt. Mit der Innsbruck Card ist der Besuch kostenlos. Wer den Eintritt nicht aufwenden möchte oder schon genug Museen und Kulturelles eingeplant hat, kommt aber auch beim Entspannen auf der Parkbank auf sein Kosten.

Was essen in Innsbruck?

  • Stiftskeller – Augustiner Bräu: Wer deftige Hausmannskost in einem – auch geschichtlich betrachtet – sehr interessanten Gebäude mag, ist hier genau richtig. Bei „Würstltopf“ und Brezel kann man hier die teilweise freigelegte alte Stadtmauer bestaunen.

 

  • Il Convento: einer der besten Italiener der Stadt. Auch hier findet man im Keller noch freigelegte Teile der Stadtmauern.
  • Hard Rock Cafe Innsbruck: Zugegeben, diesen Bericht schreibt eine langjährige „Hard Rock Cafe“-Liebhaberin. Doch auch ganz objektiv betrachtet sei gesagt: Hier stimmt die Qualität der Speisen und das freundliche Personal hat auch für Sonderwünsche stets ein offenes Ohr. Auch für Einheimische ist dieses Restaurant mittlerweile ein höchst frequentierter Treffpunkt. Man muss zwar mitunter mit etwas längeren Wartezeiten rechnen, aber: Das Warten lohnt sich auf jeden Fall!

 

Städteurlaub einmal anders. Zufrieden sitze ich nun wieder auf meinem großzügig dimensionierten Business Class Sessel im ÖBB-Railjet vor dem Notebook und blicke auf ein höchst zufriedenstellendes Wochenende in einer kleinen aber abwechslungsreichen, stolzen aber überaus freundlichen, modernen aber sehr traditionsbewussten Stadt zurück.

Sie möchten auch einen City Break einlegen?

Gerne unterstütze ich Sie mit Tipps & Anregungen!

Julia Haupt, buchung@satotours.eu